Heimstatt Clemens August

30 Stunden mit Probebaby Paul, Lilly und Bella

 

Im Rahmen des sexualpädagogischen Unterrichts kam schon oft die Frage auf, wie sieht denn eigentlich der Alltag mit einem Baby aus.

Auch bei vielen jungen Mädchen mit einer geistigen Behinderung ist der Wunsch da, ein Kind zu bekommen.

Um zumindest kurzfristig ein Gefühl dafür zu bekommen, was ein Alltag mit Baby erfordert, haben wir an der Aktion „Elternpraktikum mit einem Simulationsbaby“  von Donum Vitae Vechta teilgenommen. Voraus ging eine ausführliche Erklärung, was der praktische Umgang mit den Babies erfordert. In einer halbstündigen Übungssituation, in der ständig alle Babies schrieen, wurden alle Maßnahmen wie Füttern, Wickeln, Aufstoßen, Wiegen und das Gebot, den Kopf des Babies immer gut zu stützen, geübt. Versorgt werden kann jedes Baby nur von seiner jeweiligen „Mutter“ (anhand eines ID- Armbands gekennzeichnet).

Schon in der ersten halben Stunde wurde deutlich, wie viel Geduld der Umgang mit dem Kind erfordert. Wenn der Kopf nicht richtig gehalten wurde, setzte ein absolut lautes Schreien ein, dass nur durch 10 – 15 Minuten langes Wiegen und Auf und Ab Gehen wieder beruhigt werden konnte. Nach dieser Testphase erhielt jedes Mädchen die Geburtsurkunde für ihr Baby und wurde in den Alltag entlassen.

Im Wohngruppenalltag wurde sehr schnell deutlich, was für eine Aufgabe die Versorgung bedeutet. Gerade dann, wenn man gemütlich  fernsehen wollte, fing das Baby an zu schreien und der Rest der Mitbewohner beschwerte sich, weil man die Sendung nicht weiter hören konnte. Und auch, wenn man morgens zur Schule aufbrechen musste, meldete sich das Baby und die Zeit, die Schule pünktlich zu erreichen, wurde knapp.

Am Nachmittag des 2. Tages erfolgte dann über die Computerauswertung  die Bewertung, wie gut die einzelnen Mütter ihre Babies versorgt haben. Insgesamt gesehen hat das Füttern und Wickeln gut geklappt und die Mädchen sind auch in der Nacht aufgestanden, um ihre Babies zu versorgen.

Wie wichtig es ist, auf die richtige Haltung des Kopfes zu achten und ihn gut festzuhalten, war das weitaus größte Problem. Hier war es auch nicht einfach, die schlimmen Folgen in der Realität aufzuzeigen, so dass sie von allen verstanden wurden.

Das Thema Geduld zu entwickeln ist die weitere große Herausforderung.

Zwei der drei Mädchen sind nach wie vor überzeugt, dass sie gern ein Kind bekommen möchten. Hier gab es den guten Rat, damit noch eine längere Zeit zu warten.

Die Aktion „Elternpraktikum“ war ein spannender Test und hat viel bewegt! Wir bedanken uns bei Frau Hermes für die sehr gute Anleitung und werden dieses Projekt sicher wiederholen.

 
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